Das Konzept

Das Konzept der Kleinen Strolche

Betreuungszeiten

Montags bis donnerstags von 7:15 Uhr bis 16:00 Uhr (inklusive Mittagessen)

Freitags von 7:15 Uhr bis 16:00 Uhr (inklusive Mittagessen)

Unsere Ziele

Die pädagogische Arbeit und Zielsetzung der „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.“ orientiert sich am Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0-10 Jahren in Hessen. Jedes Kind wird in diesem Sinne mit seinen jeweils individuellen Lern- und Lebensvoraussetzungen angenommen und in seiner aktiven Umweltaneignung und -gestaltung begleitet.
Ziele der „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.“ sind demnach:
• Förderung der Persönlichkeitsentwicklung
• Förderung des Sozialverhaltens
• Förderung der alterstypischen Bewegungsentwicklung
• Förderung von gesundheitsbewusster Ernährung und Lebensgestaltung
• Altersentsprechende Spielmöglichkeiten und Sozialkontakte mit anderen Kindern
• Altersentsprechende ästhetische Bildung
• Altersentsprechende naturwissenschaftliche Bildung
• Altersentsprechende Heranführung an die Themen Demokratie, Umwelt und Werteorientierung
• Erleichterung des Übergangs in eine Kindertagesstätte
• Unterstützung der Wiedereingliederung von Alleinerziehenden und Elternteilen in die Erwerbstätigkeit
Die praktische Umsetzung der (pädagogischen) Ziele erfolgt im Sinne einer elementarpädagogischen Didaktik, die nicht einzelne Bildungsthemen herausgreift, sondern sinnvoll in den Alltag integriert wird.

Bindung und Beziehung haben als Voraussetzung für gelingende Bildungsprozesse oberste Priorität.
Emotionale und soziale Kompetenzen werden gestärkt, denn die Kinder kennen die täglichen Abläufe, die für alle gleich sind. Ihrer Persönlichkeit entsprechend können sie sowohl in ihrem Tempo essen als auch die Körperpflege mit gestalten und erfahren so Wertschätzung und Respekt.
Die Kinder, die warten müssen, bis sie an der Reihe sind, die ungeteilte Aufmerksamkeit der Erzieherin zu bekommen, erfahren, dass sie es aushalten können, abzuwarten. Die sprachliche und musikalische Begleitung der Alltagshandlungen bietet den Kindern eine Erweiterung ihres eigenen Könnens und fördert ihre kommunikativen Kompetenzen.
Während der Freispielzeit können die Kinder ihren Interessen nachgehen, sich ihrer Persönlichkeit entsprechend entfalten und trotzdem lernen, ihr Verhalten an den Bedürfnissen aller Kinder anzupassen. Die Begleitung der Fachkraft sichert, dass Aushandlungsprozesse und Konflikte alters entsprechend gelöst werden. Durch ein umfangreiches Spielangebot, Motivation zur Bewegung und Dinge auszuprobieren und kennenzulernen, werden die Kinder motorisch, sensorisch und kognitiv gefördert.
Jedes Kind wird als wertvolles Individuum und wichtiger Bestandteil der Kindergruppe mit Respekt und Achtung behandelt, dies sind wesentliche Aspekte für die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes.

Die praktische Umsetzung der Ziele im pädagogischen Alltag: Das kompetente Kind im Mittelpunkt

Der Tag für die Kinder beginnt mit dem Gebracht-Werden durch eine primäre Bezugsperson, meist ein Elternteil. Jedes Kind wird von einer pädagogischen Fachkraft in Empfang genommen und begrüßt. Die Erwachsenen können sich kurz austauschen, z.B. über die vergangene Nacht des Kindes. Das Kind verabschiedet sich aktiv von der Bring-Person und kommt bei der Fachkraft und damit in der Einrichtung an. Bis um 8.45 Uhr das gemeinsame Frühstück eingenommen wird, haben die Kinder die Möglichkeit, sich im Gruppenraum alleine, mit einer Fachkraft oder mit anderen Kindern nach ihren Interessen zu betätigen. Die Umgebung ist dafür so vorbereitet, dass sowohl ruhige Aktivitäten möglich sind, wie auch körperbetonte Aktivitäten, so dass jedes Kind sich seiner Persönlichkeit entsprechend auf den Tag in der Einrichtung einstellen kann.

Das tägliche gemeinsame Frühstück ist eingebettet in immer wiederkehrende Rituale. Diese bieten den Kindern Orientierung im Alltag und damit Sicherheit und Vertrauen. Gemeinsam wird der Tisch gedeckt und die Lätzchen ausgeteilt. Bevor die Mahlzeit beginnt, leitet eine Fachkraft Lieder an, die die Kinder gemeinsam singen und mit Bewegungen begleiten können. Jedes Kind sitzt dabei an seinem Platz. Anschließend folgt ein Tischspruch. Nach dem gemeinsamen Essen – das Frühstück bringen die Kinder von zuhause mit, es handelt sich stets um ein „gesundes Frühstück“ wie Vollkornbrot, frisches Obst und Gemüse oder ungesüßten Joghurt – suchen alle Kinder mit einer Fachkraft das Badezimmer auf. Dort erhalten sie ihre Zahnbürsten und, während die Fachkraft ein Lied singt, putzen die Kinder erst selbstständig ihre Zähne. Die Fachkraft putzt nun jedem Kind die Zähne, wäscht mit ihm gemeinsam Gesicht und Hände und bespricht mit dem einzelnen Kind, ob es im Wickelraum eine frische Windel bekommen soll oder vorher die Toilette benutzen möchte. Nach dem Wickeln oder Toilettengang spielen die Kinder im Gruppenraum frei. Dort stehen ihnen unterschiedliche Bodenhöhen, Spielmaterialien und eine Fachkraft als Ansprechpartnerin und Begleiterin zur Verfügung. Es kommt zu Aushandlungsprozessen: „Was soll gemeinsam gespielt werden?“ oder auch zu klassischen Streitereien über ein spezielles Spielzeug. Manche Kinder spielen bereits in Kleingruppen, Jüngere schauen aufmerksam zu, was die anderen tun. Zu diesem Zeitpunkt werden Bücher vorgelesen oder Puzzle gelegt – je nachdem was die Kinder interessiert. Der Gruppenraum ist dabei stets so eingerichtet, dass Kinder, die schon sicher laufen, sich genauso bewegen können, wie die Kinder, die gerade das Laufen üben und sich noch viel auf dem Boden bewegen. Wenn die Pflegephase abgeschlossen ist, entscheiden die Fachkräfte mit den Kindern im Gespräch, ob der tägliche Ausflug an die frische Luft die Kinder auf den einrichtungseigenen Spielplatz führt oder sie einen Spaziergang in den nahe gelegenen Park machen. Ist die Entscheidung getroffen, assistieren die Fachkräfte den Kindern beim Anziehen der wetterangepassten Kleidung. Die Kinder, die bereits angezogen sind, werden von einer Fachkraft angeleitet, ein Lied zu singen. Wenn alle angezogen sind, halten die Kinder, die bereits längere Strecken laufen können, sich an einer langen Stoffraupe fest und die Fachkräfte zählen mit den Kindern durch, wer alles mitgeht. Die Krabbelkinder werden in den „Kinderbus“ gesetzt und es geht los.

Im Park gibt es allerhand zu entdecken: die Enten haben Küken! Und warum darf man die eigentlich nicht füttern? Warum liegt im Park überall Müll? Oh seht mal, der Bagger reißt das Gebäude ab! Jeden Tag und jeder Meter bietet Anlässe zum Beobachten, Staunen, Fragen stellen und gemeinsam Antworten erkunden.

Geht der Ausflug auf den Spielplatz, so spielen manche Kinder vertieft im Sand, andere spielen in kleinen Gruppen Fangen oder denken sich Fantasiespiele aus. Es gibt genug Platz für alle und doch ist das Gelände nicht so weitläufig, dass den Fachkräften entgeht, womit das einzelne Kind beschäftigt ist, wer Anregung und Begleitung braucht.

Zum Mittagessen finden sich die Kinder wieder in der Einrichtung ein. Bevor das im Haus gekochte Bio-Essen auf den Tisch gestellt wird, werden Hände gewaschen und Lätzchen ausgeteilt. Mehrere Lieder werden gesungen, ein Tischspruch folgt und das Essen wird ausgeteilt. Nach dem Mittagessen folgt wieder ein Besuch im Bad und auf dem Wickeltisch oder der Toilette. Wer müde ist, kann nun Ruhe finden und Mittagsschlaf machen. Wer noch Kraft hat, bekommt etwas vorgelesen oder es finden angeleitete künstlerische Aktivitäten statt.

So vergeht die Zeit, die Schlafkinder wachen auf, steigen in Spiele ein oder beginnen ein eigenes. Dann kommen auch schon die ersten Elternteile, um ihr Kind abzuholen. Ein Kind ist überschwänglich vor Freude, ein anderes will noch nicht nach Hause und versteckt sich. Jedes wird persönlich verabschiedet.

Die Kindergruppe

Die „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e. V.” bietet für zehn Kinder im Alter von ca. 1 bis 3 Jahren Betreuungsmöglichkeiten an. Die Kindergruppe ist gemäß dem vorgegebenen Schlüssel wochentags von 7:15 Uhr bis 14:15 Uhr geöffnet.

Der Träger

Der Verein „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.” ist Träger der Kindergruppe. Der Verein besteht sowohl aus aktiven Eltern als auch aus fördernden Mitgliedern und ist anerkannt durch das Landesjugendamt Hessen.

Finanziert wird die Kindergruppe durch die monatlichen Elternbeiträge, sowie durch Zuwendungen des Landes Hessen und des Landkreises Gießen, Spendengeldern und den Beiträgen der Fördermitglieder.

Beiträge

Der monatliche Beitrag pro Kind beläuft sich zurzeit auf 220,00 € zuzüglich 50,00 € Essensgeld.

Elternmitarbeit

Grundlage für die Zusammenarbeit in der Kindergruppe ist die Verantwortung aller Eltern für die Erziehung ihrer Kinder. Dies drückt sich in der aktiven Mitarbeit jedes Einzelnen aus. Der Verein wird daher auch als Elterninitiative bezeichnet.

Durch dieses Engagement wird im Interesse aller Eltern eine optimale pädagogische Betreuung und Förderung der Kinder erreicht.

Die Mitarbeit umfasst verschiedenste Bereiche: Sämtliche anfallende Verwaltungs-, Organisations- und Instandhaltungsarbeiten werden von den Eltern übernommen. Jeder kann seinen Interessen und Fähigkeiten entsprechend Aufgaben übernehmen. Eine klare Aufgabenverteilung, ein stetiger und guter Informationsfluss und Transparenz sichern für Kinder und pädagogische Fachkräfte den pädagogischen Alltag in der Einrichtung. Stehen Entscheidungen an, so werden diese von allen Eltern gleichberechtigt getroffen und verantwortet.

Die pädagogischen Fachkräfte können nur so gut arbeiten, wie die Rahmenbedingungen sind, die ihnen von den Eltern der Kindergruppe geschaffen werden. Diese sind abhängig vom Engagement der Eltern. Auch die Kinder erleben den Zusammenhalt der Kindergruppe intensiver, wenn sich die Eltern durch ihre Mitarbeit mit „ihrer Kindergruppe” identifizieren.

Kooperation zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften – Bildungspartnerschaft auf Augenhöhe

Die Kooperation zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften stellt die Grundlage für eine an den Bedürfnissen der Kinder orientierte pädagogische Arbeit in der Kindergruppe dar. Ziel der Bildungspartnerschaft ist es, die Kinder optimal zu fördern und ein soziales Lernen in der Gruppe zu ermöglichen. Alle an der Erziehung Beteiligten, Erziehungsberechtigte sowie pädagogische Fachkräfte, müssen Offenheit und Vertrauen zeigen. Möglichkeiten zur Kommunikation bieten sich während der täglichen Bring- und Abholzeiten, in Elterngesprächen und auf den monatlichen Elternabenden. Diese Zusammenkünfte sind notwendig, um größtmögliche Transparenz der erzieherischen Arbeit und ständigen Informationsfluss zu gewährleisten. Zu diesem Zwecke wird ein Protokoll geführt, an alle Vereinsmitglieder per Email verschickt und zusätzlich in der Einrichtung in einem für alle zugänglichen Ordner verwahrt.

Bei neuen Ideen oder auch bei Unstimmigkeiten jeglicher Art besteht somit unmittelbar die Möglichkeit, über direkte Gespräche eine Lösungsmöglichkeit herbei zu führen.

Das Beschwerdeverfahren der „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.“ entspricht der Organisationsstruktur der Einrichtung:

  •  Eltern und Fachkräfte besprechen das einzelne Kind betreffende Thematiken
    direkt miteinander, bei Bedarf im klassischen Tür- und Angel-Gespräch oder
    während eines eigens vereinbarten Termins.
  • Themen, die alle Kinder und Eltern betreffen, werden auf den monatlichen
    Elternabenden besprochen.
  • Die Fachkräfte können sich mit Problemen an den Vorstand des Vereines
    wenden.

Qualitätsverständnis, -sicherung und -weiterentwicklung

Das Qualitätsverständnis der „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.“ orientiert sich an Tietze et al (2005), demnach drei Aspekte wesentlich sind:

  • Pädagogische Strukturqualität
  • Pädagogische Orientierungsqualität
  • Pädagogische Prozessqualität

In der „Kindergruppe DIE KLEINEN STROLCHE in Lich e.V.“ sind die Eltern als Träger der Einrichtung für die pädagogische Strukturqualität verantwortlich. Konkret bedeutet dies:

  • Der Verein bietet seinen Mitarbeiter/innen die Möglichkeit, an Fortbildungen
    teilzunehmen.
  • Wöchentliche Team-Sitzungen bieten den pädagogischen Fachkräften die
    Möglichkeit, den auf die Kinder abgestimmten Alltag gemeinsam zu planen
    und zu reflektieren.
  • Intervision dient den Fachkräften als selbst-reflexive Methode, innerhalb des
    Teams an für sie relevanten Fällen zu arbeiten.
  • Des Weiteren wird auf eine optimale Qualität der Sachgegenstände und
    Spielzeuge geachtet, um deren Funktionsfähigkeit und Einsatzsicherheit zu
    gewährleisten. Das betrifft auch die Räumlichkeiten, die regelmäßig gereinigt
    und übersichtlich gestaltet werden.
  • Monatliche Elternabende, an denen auch immer mindestens eine
    pädagogische Fachkraft teilnimmt, bieten Zeit und Raum zum Austausch und
    zur gemeinsamen Gestaltung.

Die pädagogische Orientierungsqualität basiert auf der beruflichen Qualifikation der pädagogischen Fachkräfte und wird durch deren beständige Weiterqualifizierung weiterentwickelt. Gemein ist Eltern wie pädagogischen Fachkräften dabei eine Auffassung vom Kind als aktivem Gestalter seiner Bildung – im Kontakt mit seiner Umwelt. Die Fachkräfte handeln im Sinne einer ressourcenorientierten Grundhaltung. Bezogen auf die Kinder bedeutet dies konkret, dass sie die Kompetenzen und Interessen der Kinder wahrnehmen und die Selbstbildungspotentiale der Kinder unterstützen. Beobachten, zuhören und aufmerksame, sensitive Antworten, ohne den Kinder Wissen oder Können vorzugeben, zeichnen diese Haltung aus. Anleihen für ihre pädagogische Grundhaltung entnehmen die Fachkräfte pädagogischen Konzepten wie dem Situationsansatz, der Pikler-Pädagogik und der ReggioPädagogik.

Diese Haltung findet in der pädagogischen Prozessqualität im pädagogischen Alltag ihren Ausdruck. Dieser Prozess wird abgestimmt auf die Bedürfnisse der Kinder, nach wiederkehrenden Ritualen strukturiert und den Prinzipien der sensitiven Responsitivität folgend umgesetzt. So finden Kind-Fachkraft-Interaktionen immer in einem freundlichen und respektvollen Tonfall statt. Der Fachkraft-Kind-Schlüssel erlaubt es dabei, dass es sowohl zu Situationen ungeteilter Aufmerksamkeit (etwa beim Wickeln) kommt als auch, dass es Kleingruppensituationen gibt, innerhalb derer etwa entwicklungsgleiche Kinder zusammengefasst und ihre Bedürfnissen entsprechend bei Aktivitäten begleitet werden; denn Einjährige gehen z.B. anders mit Kreativmaterialien um als Zweieinhalbjährige. Die Interaktionen sind immer so gestaltet, dass das Kind sich begleitet von seinen Bezugspersonen mit den Dingen auseinandersetzen kann, die gerade seinem „Thema“ entsprechen. Auf dem Spielplatz bedeutet dies z.B. dass die Fachkräfte Spielsachen zur Verfügung stellen, die Konstruieren ebenso ermöglichen wie unterschiedliche Gefäße für Kinder, die gerade mit Einsammeln und Ausschütten beschäftigt sind.

Zur Sicherung und Weiterentwicklung der einzelnen Qualitätsdimensionen wird umfangreich dokumentiert. Die Eltern halten ihre Arbeit für den Verein schriftlich fest. Die pädagogischen Fachkräfte dokumentieren sowohl mit kurzen Notizen den 7 Gruppenalltag und die Entwicklung der einzelnen Kinder als auch mit Fotos. Ausgehend davon findet einmal im Jahr in Form von Elternfragebögen und FachkraftFragebögen eine Selbstevaluation statt.

Warum außerfamiliäre Erziehung im Kleinkindalter?

Zum einen ist die Betreuung von Kindern in Krabbelstuben in der heutigen Lebenswelt von Familien zur Notwendigkeit geworden: Eltern möchten Familie und Beruf vereinen, häufig wird das Gehalt beider Elternteile zum Lebensunterhalt benötigt. Alleinerziehende brauchen Entlastung, andere Betreuungspersonen leben zu weit entfernt, etc.

Zum anderen ist wissenschaftlich erforscht, dass Kinder von frühen sozialen Erfahrungen in der Gemeinschaft mit anderen Kindern sowohl sozial-emotional als auch kognitiv und motorisch profitieren. Eine außerfamiliäre Betreuung ist also auch ausgehend von neusten Forschungsergebnissen positiv für Kinder und Eltern.

Das Leben in der Gruppe – Loslösung vom Elternhaus

Der Besuch der Kindergruppe ist der erste Schritt des Lösens vom Elternhaus. Das Kind lernt neue Personen und Umgangsformen kennen und kann aktiv andere Formen des Kontaktes erproben. Die kleine Gruppe, Rituale und die überschaubaren Räumlichkeiten helfen beim Einfinden in das neue Umfeld und entsprechen den entwicklungsbezogenen Anforderungen von Kindern in den ersten drei Lebensjahren. Während der Eingewöhnung nimmt das neue Kind gemeinsam mit seinen Eltern am Gruppengeschehen teil, in den folgenden Wochen wird dem Kind die Möglichkeit gegeben, den Gruppenalltag allein kennen zu lernen. Um den Übergang von der Familie in die Einrichtung zu erleichtern, kümmert sich eine pädagogische Fachkraft als Bezugsbetreuerin um das neue Kind. Um auch den Eltern die Loslösung leichter zu gestalten, gibt es in der Eingewöhnung besonders intensive Elterngespräche, in denen die beobachteten Eindrücke mitgeteilt werden. Die Eingewöhnung orientiert sich in den Grundzügen am Berliner Modell.

Sozialverhalten

In der Kindergruppe erleben die Kinder durch die gemeinsamen Aktivitäten ein Miteinander. Diese Gemeinschaft bietet den Kindern erste Möglichkeiten eigene Entscheidungen zu treffen, Verständnis füreinander zu entwickeln, Rücksicht zu nehmen und Hilfsbereitschaft zu erlernen. Lenkend und leitend wirken dabei die pädagogischen Fachkräfte, die durch ihre Vorbildfunktion Einfluss nehmen und damit den Kindern ein dem Gruppenleben angemessenes Sozialverhalten vorleben.

Ein funktionierendes Gruppensystem setzt gewisse Regeln voraus, an die sich die Kinder halten müssen. Diese Regeln werden den Kindern in der gesamten Betreuungszeit näher gebracht, so dass Rituale entstehen, die den Kindern Sicherheit und Vertrauen geben.

Die Umgangsform ist offen und ehrlich, da die Kinder als eigenständige Persönlichkeiten wahrgenommen werden. Jedes Kind muss mit seinen Fehlern und Schwächen angenommen werden und in seinem Wesen unterstützt werden, damit sein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein gestärkt wird.

Gleichfalls bemühen sich die pädagogischen Fachkräfte, eventuelle Sorgen und Beschwerden des Kindes anhand des Verhaltens oder der Sprache, abhängig von seiner Möglichkeit der Kommunikation, aufzugreifen und einvernehmlich zu lösen.

Aggressionen gehören zur kindlichen Entwicklung dazu, da sich die Bedürfnisse ausdifferenzieren und Kinder ihre eigene Stärke kennen lernen wollen. Für die Betreuungspersonen bedeutet das, diese Emotionen aufzunehmen, Grenzen zu ziehen und alternative Handlungsmöglichkeiten zu zeigen. Immer wieder muss vermittelt und geübt werden, dass Gewalt keine Lösung ist.

Individuelle Entwicklung des Kindes

In der Kindergruppe lernt das Kind sich als Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, aber es erkennt sich dort auch als Einzelperson und kann seine Persönlichkeit entwickeln. Diese Entwicklung ist abhängig von verschiedenen Faktoren: Den persönlichen Fähigkeiten eines Kindes, die bestimmen was und wie das Kind etwas tut, von der Motivation, die bestimmt, warum es etwas tut, und vom Temperament, der Art und Weise, wie es etwas tut. Ziel der Bezugspersonen ist es, diese Elemente zu fördern. Angebote in der Gruppe und eine ermutigende Erziehungshaltung, die Spielraum zur Eigeninitiative gibt, ermöglichen die Freude an neuen Erfahrungen, bestärken Spontaneität und Kreativität eines jeden Kindes und wirken unterstützend für die individuelle Entwicklung.

Dem Kind wird die Möglichkeit gegeben, selbstständig alltagsgebundene Situationen zu bewältigen. Außerdem wird die Fähigkeit, Entscheidungen treffen zu können, gefördert. Durch diese Möglichkeiten lernt das Kind, ein Gefühl für sich selbst und seine Fähigkeiten zu entwickeln, woraus es Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl schöpfen kann.

Kognitive und sprachliche Entwicklung

Jede neue Information, die dem bereits vorhandenen Wissen beigefügt wird, ist Lernen.

Da das Lernen abhängig ist von dem, was erlebt wird, müssen Aktivitäten Neugierde wecken. Die Betreuer/innen verfügen über eine entsprechende Angebotsvielfalt, die Motivation zum Lernen fördert und stärkt und auf Fragen und Interessen der Kinder eingeht.

Bei Eintritt in die Kindergruppe verfügen die Kinder bereits über eine Vielfalt an Kommunikationsmöglichkeiten. Die Kontaktaufnahme findet über Gestik, Mimik, Körper- und Blickkontakt statt. Das wichtigste Ausdrucksmittel aber, die Sprache, befindet sich in der Entwicklung. Durch Lieder, Spiele, das Vorlesen von Bilderbüchern, Gespräche und Beschreibungen soll der Wortschatz der Kinder altersgemäß differenziert und erweitert werden. Der alters entsprechende 9 Sprachgebrauch bedeutet für das Kind, seine Gedanken, Wünsche und Gefühle mitteilen, Dinge und Vorgänge benennen und Wissen erwerben zu können.

Sprache ermöglicht den Kindern ihre Gedanken, Wünsche und Gefühle verbal auszudrücken, Dinge zu benennen und durch Fragen Wissen zu erwerben.

Motorische und sensorische Entwicklung inner- und außerhalb der Räume

Nicht nur die sozialen und genetischen Bedingungen eines Kindes beeinflussen die Entwicklung, sondern auch die Zusammenarbeit von zentralen Nervensystem und Muskulatur. Je besser diese zusammenarbeiten, desto harmonischer bewegt sich das Kind und desto leichter fallen die Sprache und das Denken. In der Kindergruppe bietet die einmal in der Woche stattfindende Turnstunde mit entsprechenden Turngeräten die Möglichkeit zur Bewegung, sowie regelmäßige Spaziergänge und Bewegungsanreize im eigenen Garten und im angrenzenden Park. Im Gruppenalltag sorgen mit Luftballons und Bällen gefüllte Bettbezüge, Tastbücher und Instrumente für Neugierde, Spaß und Tatendrang und helfen dem Nervensystem und Gehirn, sich besser zu strukturieren. Die pädagogischen Fachkräfte nutzen immer wieder die Möglichkeit in Gesprächen mit den Eltern, auf eventuell vorhandene Auffälligkeiten eines Kindes hinzuweisen und Hilfestellung zu geben.

Außerhalb der Kindergruppe

Das Erkunden der Umgebung ist Teil des pädagogischen Alltags in der Kindergruppe. So erleben die Kinder durch verschiedene Aktivitäten im Freien die Natur. Tägliche Spaziergänge im Wandel der Jahreszeiten sowie das Sammeln entsprechender Naturmaterialien vertiefen den Umgang mit der Natur und fördern die Kreativität jedes einzelnen Kindes.

Im selbst angelegten Garten können die Kinder spielen und sich bewegen, mit Wasser experimentieren und mit unterschiedlichen Naturmaterialien hantieren.

Die Kindergruppe steht in Kontakt zu unterschiedlichen Vereinen und Institutionen der Stadt Lich. Regelmäßig stehen Besuche u. a. bei der Freiwilligen Feuerwehr, der Stadtbibliothek, dem Waldkindergarten Lich e.V. auf dem Programm.

Eine Rolle spielt auch bereits die Verkehrserziehung: Auf den Ausflügen rund um die Kindergruppe wird verkehrsgerechtes Verhalten geübt.

Schlusswort

Während der Zeit in der Kindergruppe durchleben die Kinder unterschiedliche Phasen. Lösen von zu Hause, Ankommen in einer zunächst fremden Gruppe, Respekt erlernen, orientieren an den Größeren, Rücksicht nehmen auf die Kleineren u. v. m. lässt die Kinder stetig reifen. Vertrauen erfahren, Selbständigkeit erlernen, Ängste erkennen, Mut zugesprochen bekommen; all das bestärkt die Kinder auf ihrem Lebensweg und macht sie in unserem Interesse zu eigenständigen Menschen.

Hilfestellende Lektüre

Bildung von Anfang an. Hessischer Bildungs- und Entwicklungsplan
Kinder in den ersten drei Lebensjahren: Was können sie, was brauchen sie? Eine Handreichung zum Hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0-10 Jahren (Hg. Hessisches Sozialministerium)
Kinderförderungsgesetz in der Version vom 01.01.2014
Sozialgesetzbuch §45
Grundwissen Elementarpädagogik (Hg. Neuß 2010)
Grundwissen Krippenpädagogik (Hg. Neuß 2011)
Das Konzept kann online gelesen werden und steht zum Download als PDF-Datei zur Verfügung.

Konzeption